Die Geschichte der Sennerzucht
1160 Älteste Erwähnung einer heute noch existierenden Pferderasse
Bernhard zur Lippe, Bischof von Paderborn ,schenkt dem Kloster Hardehausen
ein Feld namens Druc (das heutige Veldrom) und gleichzeitig den dritten Teil seiner
ungezähmten Stuten (indomitae equae: Bezeichnung einer planmäßigen Zucht
eines halbwildes Gestüt)
1493 Anna, Frau des Graf Bernhard VII zur Lippe, läßt die „wilden perde“ zählen und nach
Jahrgängen und Haarfarben zusammenstellen: 64 Pferde, 23 Mutterstuten mit 18 Fohlen
1541 wird der Begriff "Sender" für die wilden Pferde erstmalig in einem Dankesschreiben erwähnt;
in Anlehnung an die "Sende", die als Landschaftsbezeichnung für die Senne von Bernhard VII
im Jahre 1500 benutzt wird.
1578 Bau eines Pferdestalles in Lopshorn
1654-57 Bau eines 30 Ellen tiefen Brunnens in Lopshorn, um die Pferde durch eine Wasserstelle
an das Gestüt zu binden
1663 Durch Erlass wird den lippischen Untertanen befohlen ihre Felder gegen das Einbrechen
der Tiere zu schützen
1663 Darstellung der Gestütsgebäude durch einen Kupferstich von Elias van Lennep
1684 Vertiefung des Brunnens
1685 Graf Simon Heinrich lässt das
Jagdschloß Lopshorn erbauen1690 Anlage einer Meierei in Lopshorn mit 69 ha. Der Pächter musste für die wilden Pferde
von 100 Haufen Roggen das Stroh liefern, sowie kostenlos die nötige Heide zum Einstreuen
1706 Erste genaue Aufzeichnungen : vom 20.Mai bis zum 5. Juli werden 66 Sennerstuten
von 8 Hengsten gedeckt
1713 Beginn heute noch existierender Gestütsregister, durch die sich die Abstammung der Senner
zurückverfolgen lässt
1715 Errichtung zweier massiver Pferdeställe
1771 Erster Stallmeister in Lopshorn : Prizelius
1804 Die Senner dürfen nicht mehr im Wald überwintern
1856 Die Fürstlich Lippische Regierung weist in einer schriftlichen Anordnung auf die
Einzäunungspflicht von Grundstücken hin, zur Verhinderung des Einbrechens von
Sennern in die Felder
1864 Einzäunung einer Fläche von 38 000 Morgen mit einem 1,9 m hohen Drahtzaun von
Lopshorn-Kreuzkrug-Berlebeck-Donoper Teich-Lopshorn
1868 Prinz Egon von Thurn und Taxis, Master der Pardubitzer Jagdgesellschaft reitet
den Senner Johann von Leyden
1874 Schaffung von Gestütsgebäuden auf dem 397 m hoch gelegenen und 68 ha
großen eingezäunten Winfeld im Teutoburger Wald
1877 Beschränkung der Waldweide und Reduzierung des Pferdebestandes auf 33
1876 16 Sennerstuten begründen Stutenfamilien im neu gegründeten Hauptgestüt Beberbeck,
deren bekanntester Vertreter ist“Jubelgreis“, der Vater von Oxyd.
Oxyd ist auch der Großvater von Radetzky.
1918 Am 12.11. 1918 wird der 38 köpfige Bestand des Gestütes formell durch den Lippischen Staat
beschlagnahmt. 14 Senner werden zwischenzeitlich durch das Fürstenhaus verkauft.
1919 Am 5. und 6. September werden auf der Lopshorner Auktion durch den Verband Lippischer
Pferdezüchter, weitere 16 Sennerstuten sowie die beiden Deckhengste Eastcheap xx und
Pascha verkauft.
1919 Am 30 10. kommt das Gestüt durch Domanialvertrag aus dem Besitz des Lippischen
Fürstenhauses in das Eigentum des neu gegründeten Lippischen Staates. Dieser übernimmt
7 Senner-, und eine Araberstute. Der Verband der Lippischen Pferdezüchter führt das
Gestüt im Auftrag und mit staatlicher Unterstützung in Lopshorn weiter, und kauft den Arabischen
Halbblüter Tizian an.
1920 Am 1.7. wird in Lopshorn die Lippische Reit- und Fahrschule gegründet
1928 Auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wird die Reitschule und das Gestüt von
Lopshorn in den Tiergarten bei Detmold, dem heutigen Freilichtmuseum verlegt.
1934 Nach Neuorganisation des Reitsportes durch Hermann Göring, wurde die Reitschule
durch die SA übernommen. Damit entfiel die Möglichkeit, dass die Senner, die bisher
im Reitbetrieb eingesetzt wurden, zu ihrem Unterhalt beitrugen.
1935 Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Lippe wird die Unterstützung
gestrichen, und das inzwischen auf 16 Pferde angewachsene Gestüt durch
Auktion am 12.2.1935 aufgelöst
1936 bis 1951:
Fortführung der Sennerzucht durch Frau Julie Marie Immink
1936 Die Holländerin Frau Julie Marie Immink versucht in Berlin beim Reichsminister
für Ernährung und Landwirtschaft vergeblich die Wiedereinrichtung der
Sennerzucht zu erreichen.
1938 Frau Immink zieht nach Lopshorn in das Waldhaus das oft auch als
Gestütsmeisterhaus bezeichnet wurde
1939 Im Juli kauft Frau Immink die erste Stute (Vernünftige) zurück, und beginnt mit
dem Aufbau des Gestütes in Lopshorn
1941 Mit den Sennerstuten Vernünftige und Veronika geht Frau Immink im April zu
Fuß zum Decken zu dem Landbeschäler Mandub ox nach Sulingen.
Im September kauft Frau Immink den Hengst Mandub ox , des Landgestütes
Osnabrück an
1942 Die Sennerstute Usa aus dem Besitz der Familie Lüpke aus Lemgo kommt
zur Zuchtbenutzung nach Lopshorn
1943 Dr. Gustav Rau rät der lippischen Landesregierung die Sennerzucht zu fördern.
Die Landesregierung kauft die Stute Vedette, die Frau Immink im Januar zur
Pflege erhält. Im August teilt das Oberkommando des Heeres mit, dass kein Pferd
zur Aushebung vorgesehen ist. Im September beginnen Verhandlungen mit dem
Lippischen Fürstenhaus, dass die Absicht äußert, die Sennerzucht wieder auf
eigene Rechnung zu betreiben, und Frau Immink als Leiterin anzustellen.
1944 Der Pferdebestand beträgt am 23. März 9 Senner, von denen sich die Stute Vedette im
Eigentum des Lippischen Staates befindet, und drei im Eigentum der Familie Lüpke.
Fünf gehören Frau Immink. Die Verhandlungen um Übernahme des Gestütes durch
den Fürsten laufen noch. Der Landstallmeister von Warendorf Herr Bresges erreicht
es im September, dass die Anordnung des Landesbauernführer zurückgenommen
wird, die Senner wegen der „außerordentlich knappen Gespannkraft in den
Arbeitsprozess einzuschalten“ Herr Bresges hilft im November mit einem Bezugschein
für Hafer, doch die Kreisbauerschaft verweigert die Lieferung von Hafer. Am 19.12.
fährt Frau Immink nach Berlin, um die Freigabe von Hafer zu erwirken. Am 22.12.
schreibt der Oberlandstallmeister Dr. Seyffert an den Reichsstatthalter von Lippe:...
“da Sie mir wiederholt Ihr großes Interesse an der Erhaltung des Sennergestütes dargelegt
haben, muss ich annehmen, dass es Ihnen möglich sein wird, einen Weg zu finden,
im Einvernehmen mit der Landesbauerschaft die Versorgung der Pferde mit Futtermitteln
sicherzustellen.“
1945 Am 3.1.1945 wird Frau Immink vom Reichsstatthalter mitgeteilt, dass sie für das laufende
Wirtschaftsjahr 150 Zentner Hafer zugeteilt bekommt. Der Getreidewirtschaftsverband
Westfalen schickt ihr am 2.2. einen Bezugsschein für die Zeit vom 1.10.44 bis 30.9.45
über 6570 kg ( 365 Tage * 12 Pferde * 1,5 kg)
1945 Am 25.4. flüchtet Frau Immink mit den Pferden nach Johanettental (Lippische Staatsdomäne),
da Fremdarbeiter, meist Polen und Russen aus den Augustdorfer Militärbarackenlagern
Lopshorn plündern, und am 3.Mai in Brand setzen. Bestand bei Kriegsende: 16 Senner
1946 Mit Wirkung vom 1.3. streicht die Lippische Landesregierung den monatlichen
Staatszuschuss an Frau Immink in Höhe von 200 RM für die „Wartung und Pflege
der Sennerpferde“ Frühjahr: Übersiedlung in den Heidehof Schapeler bei Augustdorf,
hier stand den Pferden keine Weidefläche, sondern nur Heide zur Verfügung.
Futterbeschaffung äußerst schwierig. Trotz Bezugschein für eine Tonne Hafer,
erhält Frau Immink erst im November, wieder nach Intervention von Herrn Landstallmeister
Bresges, 119,63 dz Hafer. Inzwischen sind 3 Stuten und ein Fohlen durch Futtermangel
eingegangen. Frau Immink plant die Auflösung des Gestütes und die Überführung
der Senner nach Holland. Gleichzeitig laufen Bestrebungen zur Gründung eines „Vereins
der Sennerfreunde“ ,durch den die Senner unterstützt werden sollen
1947 Im Februar hilft Landstallmeister Bresges wieder mit 10 Zentner Hafer aus.
Verhandlungen über die Verpachtung des Gutshofes Schapeler laufen.
Im November rät ihr der Landstallmeister Bresges die Senner nach Holland zu
überführen. Am 17. November werden 5 Senner (Vernünftige, Vertraute, Maja,
Mundschalli und Marc Roi) durch die Tochter von Frau Immink, Frau J.M. van Amersfoort
(heute Südafrika) nach Holland gebracht
1948 Im März hilft Landstallmeister Bresges wieder mit 5 Zentner Hafer aus.
1949 Im August kauft Frau Immink die Sennerstute Ingrid an.
Im September bemüht sich Frau Immink die Senner aus Holland zurückzuholen.
Ihre Tochter, die die Senner bis jetzt in Holland betreut hat, heiratet, und wandert
nach Australien aus. Vernünftige und Maja gehen in den Besitz von Frau Immink
zurück, und werden in der Tierärztlichen Hochschule zur Zucht benutzt. Die 3 anderen
Senner werden verkauft. Von den nach Holland verbrachten Sennern existiert heute
keine Nachzucht mehr.
1950 Im März immer noch keine Erlaubnis die Pferde aus Holland zurückzuholen.
Ingrid wird von Ramzes AA in Vornholz gedeckt.
6.11. Eingabe an die Lippische Landesregierung um Unterstützung zur Einrichtung
eines internationalen Studentenreiterlagers auf dem Schapeler, durch das sich
die Sennerzucht finanzieren soll.
1951 Nach Scheitern des Vorhabens Reiterlager, fehlt die finanzielle Basis, die
Senner aus Holland zurück zuholen. Die letzte Sennerstute Ingrid wird tragend von
Ramzes AA nach Holstein verkauft.
1954-69
Fortführung der Sennerzucht durch Familie Lüpke auf Gut Ottenhausen
1961 Der Senner Racker VIII aus der Zucht der Familie Lüpke wird in Berlin 4. der
Deutschen Meisterschaft im Springreiten
Sennerbestand der Familie Lüpke
Ab 1970
Fortführung der Sennerzucht durch Familie Lackner
Beginn der Zucht mit dem Zuchtmaterial der Familie Lüpke, u. z. Indra und Jade,
sowie mit Norma, die ich zusammen mit ihrer Mutter Alkmene (v. Ramzes x) nach
jahrelanger Suche in Rheinland Pfalz wiederfand
1976 Ankauf des Hengstes Kallistos x nach dem Tod des Baron von Nagel/Vornholz.
Vater von Kalypso und Kaktus, platziert in Welt Cup Springen, sowie von Troupier,
Teilnehmer der Olympiade in Barcelona, und platziert bei der Europameisterschaft in
Pratoni/Italien, qualifiziert für die Olympischen Spiele in Atlanta.
1985 Norma eingetragen im Leistungsstutbuch der FN Liste C: auf Grund der Turniererfolge
ihrer Nachkommen sowie im Leistungsstutbuch Liste D: auf Grund der Zuchterfolge
1986 Ankauf des Hengstes Tallis x für die Sennerzucht
1990 Der Senner Kasimir 29 (Norma-Kallistos) international platziert beim CSI Wiesbaden
und CSI Mannheim unter Wilfried Sötebier
1993 Aufnahme der Senner in die Liste der bedrohten Haustierrassen der Animal Genetic Bank
bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover
1993 Aufnahme der Senner in die World Watch List für bedrohte Haustierrassen der
Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen (UN)
1996 Wiedereinrichtung eines eigenständigen Stutbuches für die Senner beim
Westfälischen Pferdestammbuch
1997 Ankauf des Vollbluthengstes Rio Grande xx für die Sennerzucht
1998 Überreichung des Tierschutzpreises an Karl-Ludwig Lackner für den Erhalt der Senner
durch den Lippischen Heimatbund
2000 Aufnahme der Senner in das Förderprogramm der EU für die Zucht vom Aussterben
bedrohter lokaler Haustierrassen
2002 Thomas Jansen stellt in seiner Doktorarbeit an Hand der Untersuchung der
mitochondrialen DNA fest, dass die Senner zu keiner anderen Deutschen Pferderasse
verwandtschaftliche Beziehungen haben.
2005 Ankauf des Hengstes Tuti Fruti AA für die Sennerzucht von der französischen
Gestütsverwaltung in Le Pin
Auszeichnung mit dem Prädikat "Arche Züchter" für die langjährige Erhaltungszucht
des Senner Pferdes durch die GEH
2006 Anerkennung des Zuchtverband für Senner Pferde e.V. (ZfSP) als Züchtervereinigung
nach § 7 Tierzuchtgesetz durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, der das Ursprungszuchtbuch für die
Senner führt
Weltweiter Bestand im Oktober 2006:
22 Sennerstuten, davon 13 im zuchtfähigen Alter.
6 dieser Stuten befinden sich zur Zeit im Besitz der Familie Lackner
37 Senner wurden bis zum Jahre 2006 von der Familie Lackner gezüchtet
Gesamtbestand aus der Zucht und dem Besitz der Familie Lackner